Tierarztpraxis Bitsch Renchen
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Der kleine Zauberer

Der kleine Zauberer

Der Kleine Zauberer

Seit dem 16. Januar 2010 hat unsere Reitanlagenfamilie ein neues Mitglied: „Der Kleine Zauberer“ oder „Snoopy“ oder „ Snoop“ oder „Mobby Dick“ oder „Beduine“ oder oder oder…. So viele Namen hatte er noch nie. Vorher hieß er „Wallach“, wer vielleicht Glenkill gelesen hat und um das Winterlamm weiß, das erst einen Namen bekommt, wenn es den ersten Winter überlebt hat, kann es vielleicht einordnen.

Wer ist nun aber dieses „Zauberpferd“?

Geboren wurde „Der kleine Zauberer“  auf einer Ranch in Gainsville Texas im April 2005. Dort wuchs er auf, wurde eingeritten und sollte im Herbst 2008 mit 4 seiner Geschwister nach Deutschland, um dort noch weiter ausgebildet und dann verkauft zu werden.

In der Quarantäne hat der „Kleine Zauberer“ dann einfach aufgehört zu fressen. Niemand weiß bis heute warum. Vielleicht ein Infekt – es wurde dort nicht untersucht und die Käuferin wurde auch nicht informiert.

Als die Pferde dann in Amsterdam abgeholt werden konnten, war der „Wallach“ nicht mehr wieder zu erkennen: stark abgemagert und teilnahmslos ließ er sich einladen und gelangte so ins Allgäu.

Die anderen 4 Pferde gediehen und haben auch schon alle glückliche neue Besitzer.

Nur das Sorgenkind blieb zurück. Das Jahr verging mit zahllosen Versuchen, ihn zum Fressen zu überreden. Mehr als 20 Futtersorten wurden auf ihre Schmackhaftigkeit hin ausprobiert. Im Winter 2008 bekam er Fieber und eine Lungenentzündung, die ihn fast das Leben gekostet hätte. Im Sommer 2009 erholte er sich etwas auf der Koppel bei den Jungpferden.

Als er aber für den Winter wieder aufgestallt wurde, hatte er zwar auch noch so viel Koppelgang wie möglich, doch er baute wieder zusehends ab.

Nach einem Besuch im Dezember berieten wir gemeinsam, wie wir dem „Kleinen Zauberer“ helfen könnten.

Die Liste seiner Krankheitsbefunde ist ernüchternd: Nur noch eine Niere und deren Funktion ist auch schon eingeschränkt, die Leber ist stark geschädigt, eine Blutarmut und natürlich der stark abgemagerte Zustand machen ihn nicht gerade zum einfachen Patienten. Aber er hat etwas ganz Besonderes: EIN GROSSES HERZ!!!!

Und einen beispiellosen Lebenswillen.

Als nun bei uns in Renchen eine Box frei wurde war klar: wir geben unser Bestes, um dem „Kleinen Zauberer“ eine Chance zu geben.

Ganz ohne zu zögern stieg er mit mir in den Hänger und machte sich mit mir auf den Weg in sein neues zu Hause.

An diesem Abend war auch unser „Waldspeckgrillen“ und somit auch gleichzeitig die Willkommensparty für den „Kleinen mit dem großen Herzen“

Vom ersten Moment an ware jeder von ihm berührt. Nicht nur, weil man jede seiner Rippen mehr als deutlich sehen konnte und nach der Wirbelsäule und dem Hüfthöker einfach nur NICHTS kam. Ein Blick in die pechschwarzen Augen von „Snoopy“ genügte, um ihn gern zu haben.

Er hat nun auch eine VIP (= Very Important Pferd)-Patin und das ist Beate. Sie geht jeden Tag mit ihm spazieren und manchmal sogar joggen, bringt ihm Karotten, überredet ihn zum Fressen und und und..

Da glücklicherweise unsere Shake (Verzeihung sie gehört natürlich Hannes) seine Vollschwester ist, wagten wir eine Vollbluttransfusion. Shake ist unsere „Rinderstute“: flink, wendig, temperamentvoll, muskulös und genauso „zauberhaft“ wie ihr Bruder.

Es folgten noch ein paar andere Infusionen, die den Stoffwechsel ankurbeln und seine Lebensgeister wecken  sollten. Wie es aussieht mit Erfolg:

Alsbald entdeckten wir den kleinen Piraten in ihm: Geklautes Heu schmeckt ja soooo viel besser. Zuerst machte es ihm einen Riesenspaß neben dem Heuwagen her zu gehen und zu naschen.

Bei einem Besuch in der Futterkammer (in unserer Begleitung) fanden wir dann aus allen Futterschüsseln die Kombination heraus, die ihm am besten schmeckt.

Keine Ahnung, was an diesem Futter besonderes ist, die Rationsberechnung hätte vielleicht etwas anderes vorgeschlagen, aber hier wollen wir mal ein Auge zudrücken….

Nun war es aber doch nicht ganz so einfach, wie gedacht: neues Futter und alles wird gut. Alle Kräuter zur Leber- und Nierenunterstützung wurden heftig samt Futter verschmäht, also wieder nichts gewonnen. 

Wir suchen uns die Unterstützung wo wir können, Tipps kommen von der Universitätsklinik in München, praktische Hilfe von Herrn Dr. Kalfaß, der ihn extrem engagiert betreut und natürlich auch von unseren lieben sach- und fachkundigen Einstellern, wie dir lieber Peter.

Als Humanmediziner machst du dir immer wieder  Gedanken und hast uns auch schon viele Hinweise gegeben, denn auch wenn es so manch einer nicht wahrhaben will: „Pferde sind auch nur Menschen“….!

Neue Wege gehen, heißt: alte Pfade verlassen – und darum darf „Snoopy“ auch morgens seine Box verlassen und Claudia und Jenny bei der Arbeit begleiten. Unterwegs besucht er alle Pferde, geht in die leeren Boxen der Pferde, die gerade in der Führanlage sind und nascht, wie „Schneewittchen“ von jedem Tellerchen. Wenn er seine Runden gedreht hat, steht er entweder auf dem Vorplatz zur Koppel und sieht den Schafen zu oder er nimmt sein 2. Frühstück ein.

Vielleicht ist das der Schlüssel? E möchte bei seiner Herde sein! Und er frisst eben lieber in Gesellschaft. Unser Ziel ist es, ihn im Sommer in den Offenstall zu integrieren. Er hat jetzt schon eine Box daneben (Danke lieber Burkhard  und „Chico“ fürs Umziehen) und Pierce und Cowboy kraulen ihn oft über den Zaun hinweg.

Jede Woche werden die Laborwerte kontrolliert, Fotos gemacht und alles aufgeschrieben.

Seine Leberwerte haben sich bis auf einen schon gut entwickelt. Die Nierenwerte sind normal Die Blutarmut ist dank „Shake“ nicht mehr ganz so schlimm, aber da sollte er sich dann doch lieber zur „Eigenproduktion“ entschließen…

Wie es mit dem „Kleinen Zauberer“ weitergeht, werden wir an dieser Stelle nun immer wieder berichten.

 

 


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