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Der kleine Zauberer verlässt die Bühne...

Der kleine Zauberer verlässt die Bühne...

Montag, 12. August 2013. Ein Morgen wie jeder andere.

Die anderen Pferde sind auf der Koppel.  Es gab einen kleinen Zwischenfall – Calvados war auf dem Weg zur Koppel gestürzt und hatte dabei zwei Pfosten umgerissen. Glücklicherweise war nichts passiert. Da aber 2 Koppeln fehlten wurde umdisponiert und der kleine Maddox durfte für 2 Stunden auf die Rocky/Snoppy-Koppel und Snoopy beginnt seinen Rundgang auf der Anlage.

Ein kurzes Guten Morgen bei Cowboy, der gerade Boxenruhe hat. Das kleine Halfter-Tau-Ziehen über die Boxentür hinwegmacht immer viel Spaß. Diesmal gewinnt Snoopy. Wie so oft liegt das Türkisfarbene Halfter auf der Stallgasse. Cowboy ist heute nicht so richtig auf Zack.

Gelangweilt geht Snoopy die beiden Gastschafe Trixie und Molly besuchen. Ein lautes „Määäääh“ schallt ihm entgegen. Nein, die haben auch keine Karotten, die man „mopsen“ könnte.

Dabei standen doch neulich eine ganze Menge Karotten vom Karottenmann hier rum. Das war ein Spass und er allein durfte damit spielen, sie auf dem Boden verteilen und natürlich naschen, bis es langweilig wurde.

Mal sehen, ob Andrei wieder irgendwo einstreut. Es macht Spaß die Einstreusäcke aufzureißen und die Pellets kullern dann so lustig über die Stallgasse. Heute war Andrei schneller und hat sie schon verteilt.

Ein Rundgang im Garten – keiner in der Führanlage, den man ärgern könnte, niemand der gerade longiert wird und wo man als Zaungast grinsend den Führanlagengeist geben kann. Schade.

Oh, die Apfelbäume: vielleicht sind sie ja schon reif? Nein, die Ernte fällt dieses Jahr schlecht aus. Alles vertrocknet. An den kleinen Bäumen hängen nur 3 Äpfel und die am großen Baum sind jetzt schon verschrumpelt. Keine gute Zeit für Apfeldiebe.

So ein Rundgang macht durstig. Jetzt noch einen großen Schluck aus dem Brunnen und dann mal sehen, ob die Koppel frei ist. Rocky wartet ja auch schon auf die morgentlicheKraulerei.

Die beiden verbringen 2 gemütliche Stunden auf der Koppel in der herrlichen, nicht zu heißen Augustsonne. Gegen Mittaglockt das Kraftfutter beide wieder in ihre Boxen. Nun kommen auch alle anderen wieder zurück in den Stall. Alles schmatzt zufrieden.

Am Nachmittag nochmal auf die Koppel, diesmal alleine, aber die Offenstallnachbarn und Magic sind ja auch eine nette Gesellschaft.

Snoopy legt sich zum Mittagschlaf auf die Koppel und wacht auf mit ganz fiesen Bauchschmerzen.

Das Kraftfutter am Abend ist nicht interessant. Nun wird er gesucht, denn dass das Schleckmaul nicht zum Abendessen kommt ist ungewöhnlich. Andrei macht uns darauf aufmerksam und Snoopy steht zitternd und mit kaltem Schweiß in der Stallgasse.

Er hat eine Schramme an der Hüfte – so hart der kleine Zauberer auch immer gekämpft hat, auch solche äußerlichen Schrammen haben ihn schon oft aus der Fassung gebracht. Trotzdem erst mal eine krampflösende Spritze. Das Zittern hört auf, das Schwitzen auch. Ist nun alles wieder gut?Vielleicht wieder eine seiner kleinen Koliken? Er kann mit Bea sogar wieder traben. Zurück in der Praxis: Lisa ist am Telefon: „Mama, ihm geht’s wieder schlechter.“ Keine halbe Stunde hat der Frieden gedauert. Ein Griff erklärt auch warum: Das kann von einer Spritze nicht besser werden. Wir kündigen uns in der Klinik an und fahren los.

Snoopy hat Angst, aber er kommt mit.

In Iffezheim angekommen fürchtet er sich vor dem  Aussteigen, vor dem was kommen würde.

Nur kurz versuchen die Ärzte der Klinik noch mit Infusionen etwas zu bewegen. Es wird schlimmer. Der OP wird vorbereitet. Snoopy muss operiert werden.

Dann sehen wir das ganze Ausmaß und nun muss eine Entscheidung getroffen werden, die niemand gerne trifft.

Ein geliebtes Wesen, um das wir schon so oft erfolgreich gekämpft haben, gehen lassen, damit es nicht leiden muss. Er ist doch erst 8 Jahre alt. Raus aus dem OP und im Auto wird beraten. Es regnet.

Unter Tränen geben wir Snoopy frei. Zurück im OP gebe ich die Erlaubnis: Snoopy, der kleine Zauberer darf gehen. Ich hab ihn im Arm - es ist so schwer zu wissen dass dies die letzten Atemzüge in dieser Welt für ihn sind.

Seine Schweifhaare sind alles was uns bleibt.

Wir fahren mit dem leeren Hänger zurück nach Renchen. Ein Unwetter mit Blitz, Wind und viel Regen begleitet uns nach Hause.

Der Kleine Zauberer hat die Bühne für immer verlassen.

Nun kann er auf den himmlischen Wiesen alle necken, die vor ihm von uns gegangen sind.


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